Warum es so wichtig ist, Altes loslassen zu können, bevor wir in eine neue Beziehung gehen


"Aber Viola, ich will so gerne loslassen können, aber es geht einfach nicht!“ Immer wieder höre ich diesen Ausspruch von Kundinnen, die noch an einer Expartnerin oder einem Expartner “hängen”. Sie würden ja gerne loslassen, aber es geht einfach nicht.

In diesem Artikel lernst du, warum es wichtig ist, Altes loszulassen bevor du dich neu verliebst und wie du das machst.



Warum wir nicht loslassen können

Vielleicht willst du mir für die nächste Aussage gegen das Schienbein treten. Das verstehe ich und ja, du darfst mich virtuell treten.

Wenn du nicht loslassen kannst, dann hast du einen bewussten oder meist unbewussten Vorteil davon, an Jemandem [oder an etwas] festzuhalten.

Oft wissen wir kognitiv, dass wir loslassen müss(t)en, um weiter zu kommen, aber es geht nicht. Und wir verstehen uns selbst nicht, warum wir einfach nicht loslassen können. Aber manchmal ist es einfacher festzuhalten, als loszulassen. Denn unsere Befürchtungen davon, was passieren könnte, wenn wir denn losliessen, übersteigt unsere Vorstellung.

Und da wir den Zustand hinter dem Loslassen nicht fassen können, versteigen wir uns in Ängste, wie zum Beispiel die folgenden:

  • Von Schmerzen und negativen Gefühlen überrollt zu werden

  • Die Kontrolle zu verlieren und „unterzugehen“

  • Nie mehr geliebt zu werden

  • Zu sterben [klingt dramatisch, ist aber die höchste Form des Loslassens]

  • Angst, die so diffus ist, dass wir sie gar nicht benennen können

Diese Ängste sind ungeheuerlich und darum ist es oft viel einfacher, am alten Zustand festzuhalten, als uns diesen Ängsten zu stellen.

👉 Wenn du also merkst, dass du Jemanden beim besten Willen nicht loslassen kannst, dann frage dich, was dein Vorteil davon ist.


Was ist es, das wir überhaupt loslassen sollten

Expartner*in als Massstab

Oft passieren zwei Dinge nach einer Beziehung: wir verherrlichen oder wir verteufeln sie. Das heisst, dass unsere Erinnerung an die Beziehung und an den Partner oder die Partnerin plötzlich viel positiver oder eben negativer sind, als wir die Beziehung tatsächlich erlebt haben.

Unabhängig davon, in welche Richtung wir streben, die oder der Ex dienen plötzlich als Massstab für jede neue Begegnung. „Markus war politisch viel versierter und damit der spannendere Gesprächspartner als Daniel.“

Die oder den Verflossene*n als Messgrösse zu nutzen, setzt den Fokus meiner Meinung nach an der falschen Stelle. Nicht eine andere Person, sondern die eignen Bedürfnisse und Wünsche sollten die Messgrösse sein, nach denen eine neue Liebe „beurteilt“ werden sollte.

👉 Darum lass den oder die Expartner*in als Vergleichsgrösse unbedingt los, so dass du dich frei von deiner Erfahrungen auf jemand Neues einlassen kannst. Dies ist der neuen Person und dir selbst gegenüber nur fair.


Emotionale Verbindung zur oder zum Ex

Denken wir an unsere Exfreundin oder unseren Exfreund und kommen andere Gefühle als rein freundschaftliche hoch, dann sind wir emotional noch nicht frei von dieser Person. Vielleicht kommt in uns die Wut, die Enttäuschung oder die Traurigkeit hoch, vielleicht fühlen wir uns auch schuldig oder schämen uns.

Solange diese Gefühle hochploppen, solange sind wir auch Gefangene dieser Gefühle und nicht wirklich frei. Das heisst, wir schleppen diese Gefühle in eine neue Beziehung, wo sie uns negativ beeinflussen können.


Da sagt die neue Partnerin zum Beispiel etwas in dieser bestimmten Tonlage und schon fühlen wir uns zurückversetzt in unsere alte Beziehung, wo uns diese Tonlage immer zur Weissglut trieb. Und schon reagieren wir und schleppen somit die Themen, die eigentlich zur alten Beziehung gehören in die neue. Und ewig pfeift das Murmeltier.

Ich kann dir nicht sagen, wieviele Mal ich alte Beziehungsthemen in die neue Beziehung mitgeschleppt habe. Das Ergebnis war meist ernüchternd, frustrierend und schmerzhaft für beide Seiten.


👉 Verarbeite deine letzte Beziehung und stell sicher, dass du vor allem die damit verbundenen negativen Gefühle loslassen kannst, bevor du dich einer neuen Liebe zuwendest.


Loslassen können ist eine Kompetenz fürs Leben

Jeder Moment im Leben ist kostbar, weil er so nie wieder kommt. Also nehmen wir täglich tausende Male Abschied und lassen los.

Meistens ganz unbemerkt und automatisch.

Und manchmal gibt es eben die Menschen oder Situationen, die wir kaum loslassen können. Oder wie wir oben gesehen haben, gar nicht loslassen wollen.

Loslassen ist schlussendlich eine Kompetenz, die wir erlernen können. Je öfter wir loslassen, desto einfacher fällt es uns. Und je mehr wir durchschauen, warum wir an etwas oder jemandem festhalten, desto einfacher und kompetenter können wir loslassen.

Falls du dich schwer tust, loslassen zu können, dann starte mit etwas Kleinem. Nimm deine drei ältesten Unterhosen [ja, diejenigen, die du einer neuen Liebe eh nicht zumuten möchtest] und tu sie weg.

Und morgen nimmst du die Kiste mit den Andenken an deine*n Ex und schmeisst alles, bis auf ein einziges Andenken, weg. [Schreist du jetzt innerlich auf? Dann lies den ersten Abschnitt nochmals durch. Das ist liebevoll gemeint! ;-)]

Übermorgen schreibst du dieser Freundin, die du schon seit Schulzeiten kennst und mit der dich nichts mehr verbindet als die gemeinsame Erinnerung an den Rausschmiss aus dem Klassenzimmer, weil ihr nicht aufhören konntet zu lachen. Heute geht ihr andere Wege und sie zu sehen raubt dir nur Energie. Darum schreibe ihr einen Brief, in dem du ihr [liebe- und respektvoll] erklärst, dass du eure Freundschaft jetzt loslässt.

Und so räumst du weiter dein Leben auf und lässt all das los, was dir nicht gut tut. Du wirst sehen, wie wahnsinnig befreiend dies ist.

👉 Neue Menschen, Situationen und Chancen werden in dein Leben treten und dich bereichern. Das kann ich dir aus eigener Erfahrung heraus versprechen. Willst du mehr wissen, dann lies hier, wie ich mein ganzes Leben losliess.


Mit diesem krassen Erlebnis lernte ich selbst loszulassen

„Bring das nächste Mal den Gegenstand mit, der dir am Allermeisten bedeutet. Die Übung ist freiwillig."

Das war eine der Anweisungen in einem der zahllosen Seminare für Persönlichkeitsentwicklung, die ich in meinem Leben schon besucht habe [nicht umsonst nennen mich meine Freunde Developmentjunkie 🤷‍♀️].

Mein liebster Gegenstand war zu diesem Zeitpunkt mein Fahrrad und das wollte ich nicht zum Seminar mitnehmen. Ich beschloss, nichts mitzunehmen.

Am Seminartag trug ich wie jeden Tag den Armreif, den mir mein Expartner damals von Afrika mitgebracht hatte. Wir waren schon lange getrennt und hatten es geschafft, nach der Trennung wieder Freunde zu werden. Ich hatte keine anderen als freundschaftliche Gefühle ihm gegenüber.

Im Seminar ging es darum, dass wir diesen liebsten Gegenstand weggaben. Jawohl! Auf Nimmerwiedersehen!

Es war krass. Ich sah Leute zusammenbrechen, weinen etc. Ich merkte, wie kraftvoll die Energien sind, die wir in Gegenständen gespeichert haben.

Ich glaubte natürlich naiverweise, dass dies für mich kein Thema ist. So entschloss ich mich spontan, den Armreif wegzugeben. Ich dachte echt, dies sei problemlos für mich. Rate, wer wie ein Schlosshund heulte und sich kaum erholen konnte? 😳

Erst da merkte ich, wieviel Energie in Form von Scham und Schuld aus dieser längst vergangenen Beziehung in diesem Armreif gespeichert war. Diesen Reif [und damit eine destruktive Energie], den ich tagtäglich über die Jahre hinweg getragen hatte.

Es tat echt weh, diesen Reif loszulassen. Und gleichzeitig war es eine riesige Befreiung für mich, endlich die unbewusste Schuld, die ich in mir trug, loslassen zu können.

Logischerweise hatte dies auch positive Auswirkungen auf meine neue Beziehung, in der ich mich zeitweise auch schuldig fühlte. Ich hatte die Disposition zum mich schuldig fühlen von meiner früheren Beziehung mitgeschleppt. Und dies hatte meine neue Beziehung beeinträchtigt. Was war ich froh, dies endlich losgelassen zu haben.

Dies ist natürlich eine krasse Methode, um loslassen zu können.


👉 Wenn du dir etwas Sanfteres wünschst, dann lege ich dir diesen Blogartikel ans Herz.


Fazit: Warum du Altes loslassen solltest, bevor du in eine neue Beziehung gehst

  1. Um dich wirklich neu einlassen zu können

  2. Um nicht in die gleichen Muster zu laufen

  3. Um eine andere Ausstrahlung zu haben

  4. Um nicht aus Bedürftigkeit zu handeln

  5. Um dir selbst, der neue Person und der neuen Liebe fair zu begegnen

  6. Um im Frieden mit der Vergangenheit zu sein

  7. Um im Frieden mit dir selbst zu sein

Nutze dazu die oben erwähnten Tipps. Es lohnt sich, um Altes endlich loszulassen und wieder frei für eine neue Liebe zu werden!


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